Free hug – eine Liebeserfahrung der außergewöhnlichen Art

Ich habe gerade einen Bericht darüber gelesen, wie sich die Wahrnehmung der Liebe ändern kann, wenn man etwas an sich selbst ändert und das hat mich an ein Erlebnis erinnert, dass ich vor Jahren machte und ganz vergessen hatte. Eine Freundin erzählte mir von den freien Umarmungen, die Menschen anderen Menschen weltweit anboten und auf you tube schaute ich mir einige Filme an. Ich war so begeistert davon, dass ich vorschlug, dies auch einmal zu tun. Wir überlegten nicht lange, malten uns Schilder mit der Aufschrift ‚free hug‘ und auf der anderen Seite ‚freie Umarmung‘. Dann organisierten wir eine weitere Freundin, die das ganze Aufnehmen sollte und wir fixierten einen Samstag.

Als nun der Tag gekommen war, packten wir unsere Sachen, schnappten uns unsere Schilder und brachen auf. Bereits im Treppenhaus brach mir der Angstschweiß aus. Meine Gedanken rasten panisch durcheinander: Was machst du da bloß? Bist du jetzt total übergeschnappt? Was werden die Leute von dir denken? Hoffentlich glaubt niemand, du bietest andere Dienste an, usw. und so fort. Ich hatte alle Mühe, meine Angstgedanken unter Kontrolle zu halten und bewunderte meine Freundin, die so souverän vor mir her lief. Ich sagte es ihr auch und sie schaute mich verblüfft an. „Von wegen keine Angst“, sagte sie erleichtert. „Ich habe Panik. Mir kommt die ganze Idee total verrückt vor.“ Wir blickten uns erstaunt an, denn keine konnte an der Anderen in irgendeiner Weise Angst feststellen. Allein, dass wir uns zu unseren Ängsten bekannt hatten, machten sie direkt weniger schwer und keine von uns wollte das Unternehmen aufgeben. Wir konnten schließlich jeden Moment damit aufhören, falls es zu komisch wurde.

Als wir in der Stadt eintrafen, suchten wir uns einen belebten Platz und stellten uns mit einem sehr merkwürdigen Gefühl im Bauch auf.

Die ersten Menschen blieben kurz stehen und lasen unsere Schilder, betrachteten uns und gingen zögernd weiter. Dann fragten uns die Ersten nach der Bedeutung unseres Tuns. Und plötzlich war der Bann gebrochen. Zuerst getrauten sich die älteren Menschen, vor allem die Frauen. Es war zunächst sehr eigenartig, so wildfremde Menschen zu umarmen, aber das legte sich schnell, denn die Freude und bei vielen auch die Dankbarkeit, die ich in ihren Augen lesen konnte, war unbeschreiblich schön. Es gab wirklich viele Menschen, auch junge, die sagten, sie wären seit Jahren nicht mehr umarmt worden.

Wir wanderten langsam durch die Stadt, bis wir nachmittags in der Altstadt angekommen waren. Mittlerweile hatte ich das Gefühl, irgendwie auf einer Glücksdroge zu sein. Wir waren bereits seit Stunden unterwegs und keine von uns verspürte Hunger oder Durst, obwohl wir genug dabei hatten. Ich fühlte mich unbeschreiblich leicht, irgendwo auf Wolke Nr. 7 und je mehr wir Umarmungen verschenkten, desto ‘higher‘ wurde ich.

In der Altstadt war die Hölle los. Ströme von Touristen durchquerten die engen Gassen und alle wollten eine ‘Gratisumarmung‘. Manche fragten, ob wir immer samstags da wären? Sie würden so gerne für eine Umarmung wieder kommen. Manche Menschen folgten uns sogar durch die Stadt und kamen mehrmals.

Dieses Erlebnis war unbeschreiblich schön. Ich hatte das Gefühl, in eine vollkommen andere Welt eingetaucht zu sein. Die Krönung war, dass ich zum Schluss alles in den unterschiedlichsten Farben rund um mich herum und um die Menschen wahrnahm. Ich konnte die Energien in ihren Farben wahrnehmen. Das war außergewöhnlich beeindruckend. Im ersten Moment bin ich richtig erschrocken. Erst dachte ich, ich hätte Kreislaufstörungen oder so…

Bis dato war mir nicht bewusst gewesen, wie viele Menschen sich danach sehnen, einfach mal gedrückt und liebevoll angenommen zu werden. Diese Erfahrung hat mir mal wieder eindeutig bewiesen, dass Energie niemals einseitig fließt.

Mein Ziel mit dieser Aktion war es, bedingungslose Freude zu schenken, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht selbst noch viel mehr Freude zurückbekommen habe.

About Heidi

2004 Abschluss zur Dipl. Lebensberaterin bei Kurt Tepperwein an der Akademie der Geistigen Wissenschaften 2008 Buchveröffentlichung mit Prof. Peseschkian, Gründer der Positiven Psychologie, 'Glaube an Gott und binde dein Kamel fest' 2010 Artikelveröffentlichung in dem Buch 'Heilsame Wege - Plötzlich Krebs' von Anette Krahnke-Höner 2014 Self-Coaching-Studium bei Bodo Deletz an der Bodo-Deletz-Akademie

One thought on “Free hug – eine Liebeserfahrung der außergewöhnlichen Art

  1. Ulrike Felicitas von Klitzing

    Hallo liebe Akademiekollegin,

    eine ganz wunderbare Idee! Bin mal gespannt, ob ich auf unserem nächsten Treffen in Bonn mit der Idee landen kann, so was auch mal zu versuchen <3 <3 <3 wenn mir das geling, werde ich dir berichten …

    LG, Ulrike

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