Wie ich zur Selbstheilung kam und die Entdeckung, dass nicht alles stimmt, was einem erzählt wird

 

 

Erfahrung ist nicht, was einem Menschen geschieht. Es ist, was ein Mensch damit anfängt, was ihm geschieht.‘
Aldous Huxley

Polypen – Die Entdeckung, dass nicht alles stimmt, was einem erzählt wird

Im Alter von fünf Jahren musste ich wegen einer Polypen Operation ins Krankenhaus. Nach der OP wachte ich nachts auf. Ich hatte grauenhaften Durst. Die Schwester, die auf mein Rufen hin kam, war ziemlich harsch und erklärte mir, dass ich aufgrund der OP nichts trinken dürfte und bis zum nächsten Morgen zu warten hätte. Leider gab sie mir auch keinen Eiswürfel zum Lutschen oder befeuchtete mir die Lippen. Das war damals noch nicht so.

Kaum war die Schwester wieder aus meinem Zimmer verschwunden, kletterte ich aus meinem Bett und bediente mich am Wasserhahn. Ich kann mich noch bis heute sehr gut daran erinnern, welch unglaubliche Wohltat dieses Wasser hatte und wie erlöst ich mich fühlte, nachdem ich meinen Durst gestillt hatte.

Später musste ich einiges davon wieder erbrechen. Aber das war es mir allemal wert gewesen und in mir erwachte der Samen der Erkenntnis, dass man weder alles glauben, noch alles so machen soll, wie es einem die Erwachsenen sagen. Seit diesem Erlebnis begann ich, mehr meinem Bauchgefühl (meiner Intuition), als Aussagen von Erwachsenen, die sich schlecht anfühlten, zu vertrauen.

Hüfte – Die Entdeckung meiner Willenskraft

Einige Jahre später, in meinem 12. Lebensjahr, begann ich Hüftprobleme zu bekommen. Anfangs knackte es nur sehr laut beim Laufen. Mit der Zeit bekam ich aber auch Schmerzen, wenn ich zu lange lief und ich musste zum Orthopäden. Ich weiß nicht mehr, bei wie vielen Ärzten und Professoren wir damals waren (meine Eltern waren Privatversichert) und ich bin meiner Mutter bis heute dankbar, dass sie nicht diese Aussagen als Nonplusultra genommen hat.

Wir waren in den Unikliniken im gesamten Rhein-Main-Gebiet und ich weiß nicht mehr, wo noch überall. Und immer wieder hieß es, entweder Hüft-OP und danach sechs Monate in ein Gips Bett oder noch schlimmer: da ich noch nicht ausgewachsen war, sei die OP nicht durchführbar und ich müsste bis Mitte 20 im Rollstuhl sitzen und dann die OP ausführen lassen. Und das waren die Diagnosen von leitenden Professoren.

Aber meine Mutter konnte sich einfach nicht damit abfinden und war davon überzeugt, dass es eine bessere Lösung geben müsse. Wir hatten schon fast ein ganzes Jahr Ärzte und Fachleute abgeklappert, als uns Prof. H. Cotta an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg empfohlen wurde. (Von 1967 bis 1996 hat der gebürtige Berliner die ehemals „Orthopädische Anstalt“ in die internationale Spitzengruppe der orthopädischen Universitätskliniken Europas geführt.)

Wir bekamen sofort einen Termin und schon bei der Erstuntersuchung unterschied sich seine Aussage vollkommen von allen voran gegangenen. Er bestätigte uns, dass es sich um eine Hüftdysplasie handele und ich gerade jetzt im allerbesten Alter für diese OP sei, da ich nur noch 2 Zentimeter wachsen würde. Das bedeute, dass sich die Knochen auf das Perfekteste verbinden würden. Und es wurde sofort ein Termin zur ersten OP vereinbart. Von Rollstuhl oder Gips war keine Rede. Er versprach mir, dass ich schon nach ein bis zwei Wochen wieder laufen könnte. Als er hörte, was wir vorher an Diagnosen usw. gehört hatten, war er sehr bestürzt. Er sagte uns, dass das sehr traurig sei, aber viele seiner Kollegen nicht seine Meinung teilten. Doch nach zig tausend solcher Operationen wusste er genau, was er tat.

Darüber hinaus sei es bei dieser Diagnose ein großer Fehler, den leider viele seiner Kollegen machten, bereits Babys in Spreizhosen zu setzen, da die Hüften bis zur die Pubertät doch wieder die Ursprungsstellung einnähmen und der Patient halt doch operiert werden müsste. Die ganze Quälerei der Spreizhose könnte man den Kindern ersparen.

Jahre später, als meine Tochter zur Welt kam, wurde sie natürlich sofort auf Hüftdysplasie untersucht und aufgrund eines vagen Schattens wollten die Ärzte sie sofort in eine Spreizhose stecken. Infolge der Informationen, die ich von Prof. Cotta hatte, verbat ich dies vehement und bekam richtig Streit mit den Ärzten. Ich ließ mich jedoch nicht beirren. Warum sollte ich mein Kind unnötigerweise monatelang quälen? Dreißig Jahre später hat sie immer noch keine Hüftdysplasie.

Es waren insgesamt drei OPs, da ich auf beiden Seiten operiert werden musste. Zuerst wurde auf der linken Seite ein Keil aus dem Hüftknochen entfernt und mit einem Metallteil neu justiert. Nach einem halben Jahr kam bei der nächsten OP dieses Teil wieder raus und die gleiche Prozedur fand auf meiner rechten Seite statt.

In dieser Zeit lernte ich, welch gigantische Kraft, alleine durch den Willen, in mir steckt.

Zum Ersten wurde mir wieder bestätigt, dass ich auf meine Intuition hören soll. Und das war so: Abends, vor der 1. OP bekam ich einen widerlichen Brei verordnet. Da ich allergisch auf Brei reagiere, resultierend aus traumatischen Kindheitserlebnissen, weigerte ich mich zuerst. Die Ordensschwestern, die damals dort regierten, waren jedoch gnadenlos und ich ließ mich zu einigen Löffeln zwingen. Ich litt die ganze Nacht an Magenschmerzen. Das war mir eine Lehre. Bei den beiden nächsten OPs tat ich nur so, als ob ich den Brei gegessen hätte und ließ ihn in der Toilette verschwinden. Mir ging es prächtig und auch die bedrohliche Voraussage, dass ich die Narkose nicht vertragen würde, wenn ich diese widerliche Pampe nicht essen würde, hatte sich nicht bewahrheitet.

Seit diesem Erlebnis nehme ich weder Medikamente noch sonst irgendetwas zu mir, was sich für mich nicht gut anfühlt. Und damit bin ich bis heute bestens gefahren.

Geschwindigkeit ist keine Hexerei

Das zweite mich bis heute prägende Erlebnis, dass meiner Ansicht nach der Hauptgeber für all mein späteres Selbstheilen war, fand in der Geschwindigkeit meiner Heilung statt, die selbst den Professor umhaute. Dazu muss ich kurz ausholen: Durch meine Hüftdysplasie musste ich blutendem Herzen mit dem Ballett aufhören. Ich liebte das Tanzen und ich bewunderte damals Marika Rökk ganz außerordentlich. Kurz vor meiner OP las ich einen ganz erstaunlichen Bericht über sie. Sie hatte mal einen Unfall und war daraufhin im Rollstuhl gelandet. Die Ärzte stellten die Diagnose, dass sie nun für immer an den Rollstuhl gefesselt sei. Doch sie akzeptierte es einfach nicht. Sie sagte, laut der Reportage, ‚das sind alles Dummköpfe! Ich will tanzen und ich werde wieder tanzen!‘ Tatsächlich sah ich sie Jahre später im Rüsselsheimer Theater im Alter von über 70 Jahren in einem Musical tanzen und sie tanzte alle jungen Tänzer in den Boden. Es war atemberaubend!

Nun, jedenfalls war ich bereits gewarnt, durch die vielen blödsinnigen Diagnosen bzw. Therapie Vorschläge der vielen ‚renommierten‘ Ärzte und Professoren, die ich ein Jahr lang zu hören bekam und der Bericht von Marika Rökk bestätigte meine Vermutung, dass man nichts glauben sollte, sondern seinen eigenen Weg gehen und auf sich selbst vertrauen soll. Seit diesem Bericht war ich fest und unverrückbar von der mächtigen Willenskraft des Menschen überzeugt.

So wachte ich nach der ersten OP auf und war ziemlich schockiert, dass ich mein Bein so gar nicht bewegen konnte. Es war zuerst wie gelähmt. Prof. Cotta erklärte mir, dass das daran läge, das die Muskeln durchtrennt wurden und ich nun jeden Tag üben müsse, die Wunde heilen müsse und ich dann bald mein Bein wieder bewegen könnte. In zwei bis drei Wochen könnte ich dann gut an Krücken laufen. Das Wichtigste sei Geduld. Nun, Geduld war noch nie meine Tugend.

Kaum war die Visite zu Ende, begann ich mit eigenen Übungen und hämmerte mir unentwegt ein, bis Ende der Woche läufst du wieder. Ich zweifelte keine Sekunde daran. Drei Tage später stand ich schon auf (das war früh damals) und nach fünf Tagen lief ich bereits ohne Krücken durch das Hospital. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass Prof. Cotta einmal zu mir sagte, (nachdem die Schwestern wieder verzweifelt meine Krücken gesucht hatten, denn ich vergaß sie ständig bei meinen Streifzügen durch die Klinik und den angrenzenden Gärten irgendwo), ‚Mädchen du ‘haust‘ mich um. Ich habe 7.000 Hüftoperationen hinter mir, aber eine Heilung in dieser Geschwindigkeit ist mir noch nie untergekommen‘.

Dazu muss ich sagen, dass eine Freundin der Familie mir ständig Kalbsknochenbrühe kochte, die ich jeden Tag trank und so konnte ich nicht nur, durch mein Training und meine Willenskraft schneller wieder laufen, als üblich, sondern meine Knochen wuchsen auch schneller wieder zusammen.

Der Schlüssel zum Heilen ist deine Aufmerksamkeit

Bei meiner zweiten OP, wo ich drei Wochen in der Klinik bleiben musste, da beide Beine operiert wurden, hatte ich ein Frau im Nachbarbett liegen, die bereits drei Monate dort war. Irgendwann fragte ich den Professor, was denn mit dieser Frau sei, denn ich wunderte mich sehr, dass sie immer nur im Bett lag und nicht aufstehen wollte. Ich dachte schon, sie sei gelähmt. Er erklärte mir, dass sie die gleiche OP wie ich hinter sich hatte, aber aus irgendeinem Grunde würde sie nicht heilen. Ständig kämen neue Schwierigkeiten auf. Ich betrachtete die Frau und instinktiv wunderte ich mich gar nicht. Denn sie lag immer jammernd da rum, malte sich ständig die schrecklichsten Sachen aus, wie z. B. wenn ich aufstehe und hinfalle, ist es um mein Hüftgelenk geschehen, ich heile niemals usw. Sie war ununterbrochen in der Angst, obwohl sie noch gar nicht alt war. Ich wusste damals schon instinktiv, dass hier ein unmittelbarer Zusammenhang zur Selbstheilung lag.

 

Jedenfalls hatte ich so – ohne es zu wissen – ein neues Programm in meinem Unterbewusstsein fest installiert:

‚Ich bin der Heiler meines Körpers. Ich bin der Bestimmer.‘

Und das sollte mir später noch sehr nützlich werden.

 

 

 

 

 

 

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